Grasfütterung


Sobald die Tage wieder länger und wärmer werden, und es schon richtig nach Frühling riecht, stellt sich die Frage nach dem Gras für die Meerschweinchen.

Gras gehört zum Lieblingsessen der kleinen Nager – und es ist auch das, wovon sie sich in Südamerika, ihrer ursprünglichen Heimat, ernähren.

Trotzdem ist Vorsicht geboten – mit Gras kann man ein Meerschweinchen umbringen...

Meerschweinchen müssen sich in der Natur ihr Futter suchen – das heisst, dass sie den ganzen Tag damit verbringen, und über 24 h hinweg bis zu hundert kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Sie leben aber in karger Landschaft – dort gibt es nicht Gras aus saftigen Fettwiesen, sondern magere Gräser, die mehr Rohfaser und Vitamin C enthalten als die Grünpflanzen hierzulande
Meerschweinchen haben ein kompliziertes Verdauuungssystem. Mehr als 2 m Gedärm sind in so einem kleinen Tier versteckt, der Verdauungstrakt macht etwa einen Viertel ihres Körpergewichts aus. Besonders lang ist der Dünndarm. Der wird von Bakterien besiedelt, die die Zellulose aufspalten – anders könnte ein Meerschweinchen keine Nährstoffe aus den Pflanzen gewinnen.
Die Darmflora ist sehr labil – durch schnelle Futterumstellung wird sie aus dem Gleichgewicht gebracht, was zu massiven Komplikationen führt. Zu viel Grünzeug kann zu Blähungen (Aufgasung) oder Durchfall führen. In beiden Fällen muss man mit dem Meerschweinchen unverzüglich zum Tierarzt – sowohl eine Aufgasung als auch Durchfall können unbehandelt sehr schnell zum Tod führen.

Ein weiteres Problem ist die nur dünne und schwach bemuskelte Magenwand. Deshalb ist kein Erbrechen möglich. Was das Meerschweinchen mal gefressen hat – selbst wenn unverträglich – kann nicht erbrochen werden und muss das gesamte Verdauungssystem passieren, was in der Regel vier bis fünf Tage dauert.

Grundsätzlich braucht ein Meerschweinchen eigentlich gar nicht besonders abwechlsungsreiche Nahrung und ständig etwas Neues – es will vielmehr ganz sorgfältig an neue Nahrungsbestandteile gewöhnt werden. Dies gilt für alle Futtermittel – und für Gras ganz besonders.

Schon kleine Meeribabys fressen Gras... .... und wenn sie grösser sind, vertilgen sie Berge.

Gras ist im Frühling sehr eiweissreich und enthält nur wenig Rohfaser. Es verursacht deswegen Blähungen. Das ist nicht nur für Meerschweinchen ein Problem – auch die Halter von grossen Pflanzenfressern (Schafen, Rindern, Pferden etc) müssen ihre Tiere im Frühling ganz vorsichtig ans Grünzeug gewöhnen.
Deshalb kann man Meerschweinchen im Frühling nicht einfach ins Freigehege setzen, sondern muss ihnen, erst blättchenweise, dann langsam grössere Mengen, Gras bringen.

So eine sorgfältige Angewöhnung dauert zwei bis drei Wochen.

Für Wohnungsmeerschweinchen ist das Freigehege auch aus Temperaturgründen in der Regel fast bis im Mai tabu. Der Boden ist lange sehr kalt, und Meerschweinchen die drinnen leben, sind sich keine Temperaturschwankungen gewöhnt.
Gefrorenes Gras darf natürlich auf keinen Fall verabreicht werden. Auch nasses Gras ist eigentlich nicht geeignet. Meerschweinchen, die aber ständig draussen leben, und jederzeit Gras fressen können, vertragen in der Regel auch nasses Gras – sie füllen nicht den Bauch damit, sondern sie fressen es portiönchenweise, weil es ihnen ja rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Gras soll nur frisch verfüttert werden. Gerade im Sommer wird Gras sehr schnell „warm“ und beginnt zu gären. Das verursacht Probleme. Deshalb eignet sich Rasenschnitt nicht als Meerschweinchenfutter. Grundsätzlich könnten Meerschweinchen Rasen aber fressen, Rasen ist ja auch eine Grassorte. Sie wollen ihn aber sorgfältig von Hand geschnitten, oder gleich selber pflücken. Und da sie nicht graben, eignen sie sich eigentlich gut als „biologische Rasenmäher“.

Was wir gemeinhin Gras nennen, sind übrigens eigentlich Süssgräser – davon gibt es mehr als 200 verschiedene Sorten. Und eine schöne Wiese besteht nicht nur aus Gräsern, dort wachsen auch viele andere feine Kräuter. Die meisten davon sind Leckerbissen für Meerschweinchen, einige mögen sie nicht so, ein paar wenige sind unbekömmlich (z.B. Hahnenfuss).

Wenn man die Meerschweinchen draussen grasen lässt, muss man sie gut genug schützen, nicht nur vor Hund und Katze, sondern auch vor der Sonne.

Wer die Grünpflanzen selber sammelt und den Meerschweinchen nach Hause liefert, soll sie weder direkt an Wegrändern (Hundekot) noch von gedüngten oder mit Insektizid behandelten Wiesen oder Feldrändern pflücken, und natürlich auch nicht am von Abgasen belasteten Strassenrand. Am besten, man fragt den Bauern, wo er eine Magerwiese hat, auf der man sich bedienen darf.

Auch in der Stadt gibt es Möglichkeiten, an Grünzeug aus der Natur zu kommen. Besser geeignet als der Stadtpark sind Spielplätze oder Friedhöfe.

Besonders geliebt wird Löwenzahn oder Wegerich.

Klee mögen die Meerschweinchen an sich auch sehr – bei allen Leguminosen muss man aber sehr vorsichtig sein, da sie einen sehr hohen Eiweissgehalt haben und deshalb stark blähen. Auch hier gilt: Meerschweinchen die regelmässig Klee fressen, und sorgfältig daran gewöhnt wurden, haben damit keine Probleme.

Es ist sowieso erstaunlich, was für Berge von Gras Meerschweinchen in der Sommersaison verputzen können. Und wenn man sie Rasen mähen lässt, muss man schnell genug neue Flächen bieten, sonst fressen sie selbst die Wurzeln...

Deshalb lohnt es sich, im Frühling wirklich grosse Vorsicht walten zu lassen, und sie sorgfältig anzugewöhnen, auch wenn das Grün noch so lockt, und die Meerschweinchen nie genug bekommen!

 

Auch als Fotohintergrund eignet sich Gras besonders gut. Es wird auch geduldig stillgestanden. Beide Bilder von Susanna Bolliger.

Nützliche Links:
http://www.diebrain.de/nh-futterpflanzen.html

http://www.diebrain.de/nh-gras.html

www.giftplanzen.ch

Und selbstverständlich gibt’s in Wikipedia seitenlange Infos zu Gras oder Süssgräsern...

 

 

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