Sommerhitze

Nicht immer ist es bereits im Mai derart heiss wie dieses Jahr.

Aber die Hitze ist für Meerschweinchen jeden Sommer ein Thema, für die in Aussenhaltung sehr viel mehr als die die drinnen leben. Aber auch bei Innenhaltung muss man aufpassen, dass das Gehege z.B. nicht grad vor dem Fenster steht und die Sonne drauf brennt.

An sich ist es ja erstaunlich, wie anpassungsfähig die kleinen Nager aus Südamerika sind.

Obwohl es ihnen bei gemässigten Temperaturen von etwa 15 Grad am wohlsten ist, können sie auch draussen überwintern (wo es doch auch in unseren Breitengraden während mehreren Wochen unter Null sein kann), und sie ertragen auch unsere Sommer. Hitze ist aber bedeutend heikler als Kälte – sehr schnell kann es zu einem Kreislaufkollaps kommen, da Meerschweinchen nicht schwitzen können.

Sehr wichtig ist der Standort des Geheges draussen. Im Sommerhalbjahr soll die Sonne möglichst nicht in der Mittagszeit drauf brennen, und es darf kein Hitzestau entstehen.

Am besten ist Beschattung durch einen ungiftigen Laubbaum.
Auf Balkonen findet man nur selten ideale Bedingungen für die Meerschweinchenhaltung – auf den meisten brennt die Sonne im Sommer viel zu stark hin, und die Hitze staut sich.

Das Gehege muss dann auch je nach Jahreszeit ein bisschen angepasst werden. Im Winter schätzen wir ein stabiles, wetterfestes Dach (Dachpappe oder Blache) auch auf dem Auslauf, im Sommer wäre so etwas ein reines Treibhaus, und ungeeignet.
Wo natürliche Beschattung durch Bäume oder Sträucher fehlt, muss der Mensch nachhelfen. Am besten sind luftdurchlässige Abdeckungen – darunter gibt es keinen Hitzestau. Je nach ästhetischem Empfinden können das ausgediente Fixleintücher sein (die lassen sich richtig schön um die Deckelrahmen spannen), oder Schilf- oder Bastmatten, die hingelegt werden (und dann ab und zu weggewindet werden, wenn sie nicht befestigt wurden). Ich habe auch schon Abdeckungen aus Jutestoff gesehen, und solche aus Armee-Tarn-Netzen.
Je luftdurchlässiger um so besser, dann kann die Hitze nach oben weg.

Auch Sonnenschirme sind denkbar – die müssen aber in der Regel im Verlauf des Tages mehrmals umplatziert werden, da sie nur eine kleine Schattenfläche bieten, die mit dem Lauf der Sonne wandert.

Auch die Schutzhäuser muss man etwas abändern für die heisse Jahreszeit: Nun braucht es Lüftungslöcher, z.B. Fenster hoch oben, die vergittert sind (und in der kalten Jahreszeit mit Plexiglas oder mit einem Holzschieber verschlossen werden können). Wichtig ist, dass kein Durchzug entsteht: Türöffnung des Hauses und Fenster sind idealerweise auf der gleichen Seite, nicht gegenüber.

Hohe Häuser sind besser als solche, wo die Sonne unmittelbar über den Köpfen der Tiere aufs Dach brennt. Dächer mit Zwischenfächern, wo das Schlafgemach nicht direkt unter dem Dach ist, sondern dazwischen ein weiterer Boden eingebaut wurde, sind ideal.

Im Gehege selber bieten natürlich auch Verstecke Schatten – auch hier sind solche gefragt, die nicht rundum geschlossen sind, wie z.B. Etagen auf Beinen oder Dreieckdächer oder Äste mit Laub dran (oder Nadelzweige).

Sehr beliebt sind an heissen Tagen Unterschlüpfe aus Stein, Betonröhren zum Beispiel. Auch halbierte Blumentöpfe oder Iglus aus Kunststein sind kühle Verstecke.

Und sehr oft sind Steinplatten beliebt als kühlende Liegefläche.

An ganz heissen Tagen schätzen manche Meerschweinchen auch kalte Bettflaschen: Mit kaltem Wasser gefüllte Flaschen, die ins Gehege gelegt werden, verschaffen Kühlung.

Man kann auch gefrorene Flaschen in Tücher einwickeln als Kühlelemente.
Nasse Tücher über den Hütten bringen oft auch Kühlung.

Sehr wichtig ist natürlich der Zugang zu genügend Trinkwasser. Wenn man aus dem Napf trinken kann (statt von einer Nippeltränke), kann man auch gleich das Kinn eintauchen und sich so erfrischen.

Grünfutter soll nur in so kleinen Mengen gegeben werden, dass es sofort gefressen wird. Liegengebliebenes Gemüse verdirbt schnell, und geschnittenes Gras gärt innert Kürze. Was nicht gefressen wurde, bitte entfernen, bevor es Bauchweh und lebensbedrohende Blähungen gibt.

Und selbstverständlich sollte man Langhaartieren eine luftige Kurzhaarfrisur verpassen für die heisse Jahreszeit...

Vorbeugen ist besser als heilen. Im Notfall muss sehr schnell gehandelt werden: Überhitzte Meerschweinchen in ein kühles, feuchtes Tuch wickeln, ev. Füsse in kühles Wasser stellen, und unverzüglich zum Tierarzt fahren!

 

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