Jöööh - junge Meerschweinchen
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Fast jede Familie, die Meerschweinchen hält, möchte auch mal Junge.
Das ist verständlich, sind doch Tierbabys etwas vom niedlichsten, was es gibt.
Und junge Meerschweinchen sind noch viel herziger, weil sie als Nestflüchter
mit Fell und offenen Augen zur Welt kommen, und von Anfang an schon herumlaufen
und fressen.
Sehr häufig enden aber solche Meerschweinchenwürfe in Tragödien.
Die Beckenknochen der Meerschweinchenweibchen verknöchern nämlich ungefähr am
Ende des ersten Lebensjahres. Wer nicht vorher schon Junge geboren hat, hat in
der Regel grosse Probleme, weil das Becken zu eng ist. Nur umsichtige
Besitzer/innen merken rechtzeitig, was los ist, und können das Tierchen zum
Tierarzt bringen für einen Kaiserschnitt. Aber häufig kommt jede Hilfe zu spät.
Der ideale Zeitpunkt, um ein Meerschweinchenweibchen decken zu lassen, ist im
Alter zwischen 6 und 9 Monaten, abhängig von ihrer Grösse und ihrem Gewicht.
Auch übergewichtige Meerschweinchen eignen sich nicht zur Zucht – sie sind
sehr anfällig für Trächtigkeitstoxikosen, die meist tödlich enden.
Abgesehen davon kann es natürlich auch zu anderen Komplikationen kommen, die
Mutter und / oder Babys das Leben kosten können – man muss sich also gut überlegeben,
ob man das Risiko in Kauf nehmen will.
Bevor man sich nach einem Vater umsieht, muss man sich überlegen, was mit den
Jungtieren geschehen soll.
Es gibt zwar im Bekanntenkreis immer Leute, die Meerschweinchen möchten. Aber
sind Sie oder die zukünftigen Besitzerinnen auch bereit, für die
Kastrationskosten der jungen Böckli aufzukommen (80 bis 100 Fr. pro Tier)?
Es gibt nämlich in jedem Wurf auch Männchen – oft sogar mehr als Weibchen,
und für die ist es deutlich schwieriger ein Zuhause zu finden. (Und kein Züchter
und keine Meerschweinchennotfallstation hat Lust, Ihre vorigen Männchen zu übernehmen,
nachdem Sie die Weibchen im Bekanntenkreis verschenkt haben!)
Auch wenn Sie die Jungtiere selber behalten wollen, müssen die männlichen
Babys möglichst schon vor Erreichen der Geschlechtsreife kastriert werden,
damit sie sich friedlich ins Rudel integrieren. Ausser Sie wollen, fernab von
den Weibchen, eine Boygroup gründen.
Sehen Sie sich jetzt schon nach einem guten Tierarzt um, der Frühkastrationen
durchführt (mit ca. 250 g).
Wenn Sie wissen, wer die Jungtiere allenfalls übernehmen will (vergessen Sie
nicht, Sie entscheiden über die Entstehung von Leben, Sie sind also
verantwortlich dafür, dass es den Tierchen zeitlebens gut geht), beginnt die
Suche nach dem Meerschweinchenbock.
Manchmal kann man sich aus dem Bekanntenkreis ein Männchen ausleihen. Denken
Sie aber daran, dass die Männerfreundschaft zerstört ist, wenn die Böcke mal
Weibchen gesehen und gedeckt haben – es eignen sich also keine Männchen aus
Bockgruppen, die nachher wieder friedlich zusammen leben sollen.
Vielleicht finden Sie einen Züchter oder eine Züchterin, die Ihnen einen Bock
ausleiht, oder Ihr Weibchen zu sich in die Ferien nimmt. Nicht alle Züchter/innen
machen das – die Gefahr, Krankheiten einzuschleppen ist sehr gross. Auf jeden
Fall müssen Sie das Weibchen etwa drei Wochen mit dem Bock zusammen lassen. Die
Meerschweinchenweibchen haben nämlich einen Zyklus von etwa 17 Tagen und sind
nicht ständig aufnahmebereit. In dieser Zeit soll natürlich Ihr zweites
Meerschweinchen nicht alleine zu Hause sitzen – Sie müssen auch seine
Gesellschaft organisieren, falls Sie nicht ohnehin schon mehrere Meerschweinchen
daheim haben.
Wenn das Weibchen wieder nach Hause kommt, sieht man ihm noch nicht an, dass es
trächtig ist.
Die Trächtigkeit beim Meerschweinchen dauert ziemlich genau 10 Wochen, obwohl
sie in manchen Büchern noch immer mit 56 bis 63 Tagen angegeben wird.
Ungefähr nach der Hälfte der Tragzeit kann man Gewichtszunahmen feststellen.
Je nach Wurfgrösse sieht man dann auch bereits die Rundungen. Manche
Meerschweinchen, vor allem wenn sie nur ein Junges haben, sind bis zuletzt
schlank und rank (und man merkt nicht mal, dass sie trächtig sind), andere sind
so sehr birnenförmig, dass sie sich am Ende kaum mehr bewegen können. In den
letzten drei Wochen der Trächtigkeit kann man die Bewegungen der Jungtiere im
Bauch fühlen.
Ein trächtiges Meerschweinchenweibchen soll natürlich nicht ständig
herumgetragen werden – man lässt es möglichst in Ruhe, beobachtet es aber
gut, um allfällige Kompliaktionen früh zu erkennen.
Ein Meerschweinchen wird, im Gegensatz zu Kaninchen, kein Nest bauen für seine
Jungtiere. Sie können also keine Vorbereitungen zur Geburt sehen, wenn es so
weit ist. Die Chance ist sehr gross, dass sie eines Morgens ein paar Babys
antreffen werden, ohne dass sie etwas vom Ereignis mitbekommen haben. Falls Sie
das Glück haben, dabei sein zu können, ist das ein unvergessliches Erlebnis.
Eine Meerschweinchengeburt geht in aller Regel leicht vonstatten, das Muttertier
gibt keinen Laut von sich. Wenn man ganz in der Nähe ist, hört man aber oft
das Schlecken und Schmatzen, wenn sie die Jungen aus der Fruchthülle packt,
trocken leckt und die Nachgeburt verspeist (Ja, selbst das Meerschweinchen als
Pflanzenfresser frisst die Nachgeburt – offenbar enthält sie wichtige Nährstoffe).
Wenn alles komplikationslos vor sich geht, ist es eine sehr saubere und
unblutige Sache – nur wenige Bluttröpfchen im Streu zeugen davon. Es kommt
aber immer wieder vor, dass nicht alle Jungtiere die Geburt überleben. Immer
mal wieder ist eines so gross, dass die Geburt zu lange dauert. Oder manchmal
geht es so schnell, dass die Mutter nicht nachkommt, alle rechtzeitig
auszupacken. Und nicht jedes, das nach der Geburt lebt, wird auch gross und
stark – auch bei den Meerschweinchen gibt es solche, die erst nach ein paar
Tagen sterben. Bereiten Sie sich und Ihre Familie auch darauf vor.
Sobald die Meerschweinchenbabys trocken sind (oft werden sie nicht nur von der
Mutter geleckt, sondern auch von andern anwesenden Meerschweinchen, ich habe
sogar schon beobachtet, wie die zweiwöchigen Cousinen mitgeholfen haben, die
Neugeborenen zu säubern), fangen sie an, die Welt zu entdecken, und nicht
selten sieht man sie auch schon am ersten Tag an fester Nahrung knabbern, obwohl
sie etwa drei Wochen gesäugt werden.
Ein geübtes Auge sieht übrigens schon ganz zu Beginn, wer Bube und wer Mädchen
ist (auch wenn es noch immer Meerschweinchenverkäufer gibt, die behaupten, man
sehe es bei der Abgabe noch nicht – da können Sie aber sicher sein, dass man
Ihnen Böcke mitgibt...)
Mit etwa zweieinhalb, drei Wochen sollte man anfangen, das Gewicht und das
Verhalten der Buben zu beobachten. Idealerweise lässt man sie mit etwa 250 g
kastrieren, da sie mit ungefähr 300 g geschlechtsreif werden und dann bereits
Schwestern oder Mutter (oder Tanten etc.) decken könnten.
Mit ungefähr vier Wochen kann man die jungen Meerschweinchen von der Mutter
trennen – sie sollten jetzt das Abgabegewicht (mindestens 250 g, besser 300 g)
erreicht haben.
Nun gilt es, Abschied zu
nehmen, und die zukünftigen Halterinnen und Halter ausführlich über die
artgerechte Haltung dieser Tiere zu informieren.
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